Historische Instrumente Grid

Oberschlägige Instrumente gibt es in der Klavierbaugeschichte nur sehr selten. Lediglich vier Klavierbauer sind bekannt für deren Herstellung, nämlich Theodor Stöcker in Berlin, Robert Wornum in London, Jean-Henri Pape in Paris und Johann Baptist Streicher in Wien. Sie erfanden jeweils Mechaniken, bei denen die Hämmerköpfe von oben auf die Saiten fallen, statt, wie üblich, von unten hochgestoßen zu werden. Von jedem dieser Klavierbauer kann die Bechstein-Sammlung ein Exemplar der oberschlägigen Instrumente präsentieren.
Die Idee ist gut, da man die Schwerkraft nutzt, um den Hammerkopf zur Saite zu bringen, nur muss dieser anschließend kontrolliert wieder hochbefördert werden, was bei diesem Modell mithilfe komplizierter Metallfeder-Konstruktionen geschieht. Ebenso geht die Energie des Anschlags direkt in den Resonanzboden, sie muss nicht mit Hilfe von Umlenkung „zurückgeholt“ werden. Der Flügel spielt sich äußerst leicht und geschmeidig, ein großer Vorteil dieser Art Mechanik.
Zurzeit der Entstehung dieses Instruments waren Johann Baptist Streicher und Conrad Graf die berühmtesten Klavierbauer Wiens. Während Graf eher altmodisch agierte und seine Instrumente Jahrzehnte lang nach demselben Konzept baute, war Streicher ein unermüdlicher Tüftler, der ständig an der Verbesserung seiner Instrumente arbeitete. Er entwickelte die hier vorliegende oberschlägige Mechanik und baute später verschiedene Baureihen nebeneinander: Wiener Mechanik, englische Mechanik und eigene Mischformen (Patentmechanik).
Details
3-pedalige Lyra:
– Verschiebung um eine Chorsaite,
– Verschiebung um 2 Chorsaiten,
– Dämpfer
- 2020-2021 umfassend restauriert von J.C. Neupert, Hallstadt














